Sie hatten 2024 mitunter die tiefsten Strompreise in der Schweiz und auch 2025 bleiben sie tief. Wieso können Sie solch attraktive Strompreise anbieten?
Das EWN ist mit den Produktionsanlagen, der Kundenstruktur und der Strommarktbeschaffung sehr gut aufgestellt. Die Wasserkraftanlagen in Nidwalden und die unserer Beteiligungen produzieren verhältnismässig günstig. Mit den Stauseen auf Bannalp, Trübsee und den kleinen Ausgleichsbecken können wir das Verbrauchsprofil gut abdecken. Zudem haben wir uns eine hohe Kompetenz in der strukturierten Beschaffung und im Verkauf von Strom mit Handelspartnern erarbeitet, wovon auch die marktberechtigten Kunden dank dem Stromprodukt «MarktStrom Pool» profitieren können.
Der Ausbau der Photovoltaik (PV) geht auch im Kanton Nidwalden voran. Wie schätzen Sie das Potenzial ein?
Das Potenzial ist theoretisch hoch und der Ausbau ist in vollem Gange. Allerdings muss angemerkt werden, dass der Strom recht unzuverlässig, vor allem im Sommer und am Tag, produziert wird. Das reicht leider nur aus, um einen Teil des Strombedarfs zu decken. Ergänzend zum Solarstrom braucht es neue Speichermöglichkeiten und flexible Produktions- und Verbrauchssteuerungen. Das haben wir bereits früh erkannt und entsprechende Projekte im Bereich Energieareale und Batteriespeicher lanciert.
Mit dem Aufbau der zwei Wärmeverbunde in Buochs und Hergiswil stehen Grossprojekte an. Wie hoch sind die Investitionen in diese Projekte?
Das ist richtig, für das EWN sind es grosse Projekte in einem wichtigen, neuen Aufgabengebiet. Insgesamt werden dafür Investitionen von über CHF 60 Mio. ausgelöst. Das EWN finanziert die Anlagen aus den eigenen Mitteln.
Welchen ökologischen Beitrag werden die Wärmeverbunde dereinst leisten?
Die Erzeugung von Wärme mit Wärmepumpen, welche mit unserem erneuerbaren Strom betrieben werden, ist praktisch klimaneutral. Nur um die Leistungsspitzen abzudecken oder bei Ausfällen der Wärmepumpen kommt eine Gasheizung zum Einsatz, was selten der Fall sein wird. Die Wärmeversorgung über Fernnetze ist effizienter und ökologischer als die individuelle, dezentrale Wärmeerzeugung.
Sie haben vor, auch Gesamtenergielösungen anzubieten. Wer kann künftig davon profitieren?
Unter Gesamtenergielösungen verstehen wir die örtliche Produktion und Speicherung von Strom, Ladesysteme für Elektroautos wie auch die Wärmeversorgung mit Wärmepumpen oder wo möglich mit unseren Fernwärmenetzen. Alles soll perfekt aufeinander abgestimmt sein. An unserem Hauptsitz haben wir eine solche Anlage in Betrieb genommen. Die Ergebnisse sind sehr positiv.
Das EWN ist in den letzten zwei Jahren personell um rund 20 Prozent gewachsen. Was bedeutet dies für die gesamte Organisation?
Durch das Wachstum wird die Organisation in vielen Teilen verändert. Der Firmenkultur und den Prozessen kommt eine immer grössere Bedeutung zu. Zudem brauchen wir für diese neuen Kolleginnen und Kollegen Platz, weshalb das EWN einen Neubau des Hauptsitzes in Buochs plant.
Welche Ziele möchten Sie 2025 mit Ihrem ganzen Team erreichen?
Mir ist es wichtig, dass alle im Team verstehen, wie wertvoll sie für den Erfolg des EWN sind. Nur mit guten, motivierten Mitarbeitenden können wir unsere Ziele erreichen. So ist es dann auch wichtig, dass wir ein sehr guter Arbeitgeber bleiben und unsere Mitarbeitenden bestmöglich auf die Zukunft vorbereiten.
Wie sieht der entsprechende Fahrplan für den neuen Hauptsitz aus?
Wir haben im Winter den Antrag für das Bauland an die Genossengemeinde Buochs gestellt. Die Zusammenarbeit mit dem Genossenrat ist sehr gut und wir sind zuversichtlich, den Zuschlag zu erhalten. Anschliessend wird bis im Sommer 2025 das Vorprojekt ausgearbeitet, bevor die Detailplanung und schliesslich die Baueingaben erfolgen. Wenn alles nach Plan läuft, möchten wir bis Ende 2027 in den neuen Hauptsitz umziehen. Übrigens entstehen am neuen Standort auch Flächen, die von Gewerbebetrieben genutzt werden können, was die gewerbliche Nutzung pro Quadratmeter Land erhöht.
Wo steht das EWN im Bereich der Digitalisierung?
Die Digitalisierung beschäftigt uns konstant, nicht nur bei administrativen Prozessen. Mit dem Ausrollen der Smart Meter wird die Digitalisierung in der Messung und Verrechnung des Stroms massiv erhöht. Zudem haben wir im vergangenen Jahr ein digitales System in Betrieb genommen, das berechnet, wie viel Strom wir mit unseren Kraftwerken aufgrund des Wetters, des Schnees oder der Pegel in den Stauseen produzieren können. Jeder Digitalisierungsschritt wird gut geprüft, um die Sicherheit hoch halten zu können.
Die Sicherheit im digitalen Bereich ist eine grosse Herausforderung. Was unternehmen Sie in diesem Bereich?
Wir prüfen jede Entwicklung sehr sorgfältig. In den letzten 18 Monaten haben wir viele unserer IT-Systeme erneuert und vermehrt redundant aufgebaut. Wir haben unsere Sicherheitskonzepte geschärft und uns mit Partnern aus dem IT-Sicherheitsbereich verstärkt. Am wichtigsten sind und bleiben aber unsere Mitarbeitenden. Mit ihnen führen wir eine ganze Reihe von Ausbildungen durch. Das Wissen und die Sensibilisierung wird mit regelmässigen Tests überprüft. Ich bin der Ansicht, dass wir inzwischen einen guten Stand erreicht haben, was auch Tests des Bundes und der Armee vor der Friedenskonferenz auf dem Bürgenstock gezeigt haben.
Kommen wir zum Ausblick. Welche Projekte oder Themen stehen 2025 auf Ihrer Agenda?
2025 wird für uns ein sehr spannendes Jahr. Wir starten den Bau des Wärmeverbundes in Buochs, planen den Neubau des Hauptsitzes, haben mit dem Glasfaserausbau in Nidwalden begonnen und reichen bald ein Baugesuch für eine grosse Batterieanlage ein. Zu all diesen Projekten kommt die Umsetzung des Mantelerlasses hinzu, der die gesamte Branche vor grosse Herausforderungen stellen wird. Diese nehmen wir an und setzen uns ein, damit das EWN weiterhin erfolgreich bleibt.
Welche Ziele möchten Sie 2025 mit Ihrem ganzen Team erreichen?
Mir ist es wichtig, dass alle im Team verstehen, wie wertvoll sie für den Erfolg des EWN sind. Nur mit guten, motivierten Mitarbeitenden können wir unsere Ziele erreichen. So ist es dann auch wichtig, dass wir ein sehr guter Arbeitgeber bleiben und unsere Mitarbeitenden bestmöglich auf die Zukunft vorbereiten.
Herzlichen Dank, Remo Infanger für das Gespräch. Weiterhin alles Gute und viel Erfolg mit dem EWN.
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