Remo Infanger, Direktor EWN

Motivierte Führungskräfte
haben immer einen Multiplikationseffekt

Im Gespräch mit Remo Infanger, Direktor, über das Wachstum, die grossen Projekte und den Ausblick auf 2026.

Das EWN verzeichnet ein grosses personelles Wachstum. Wofür wird so viel Personal gebraucht?
Die Energiebranche ist im Wandel. Das benötigt viel Personal. Allein die Umsetzung der Anforderungen des neuen Energiegesetzes und der Aufbau der neuen Geschäftsfelder erfordern neue Kompetenzen und zusätzliches Personal. Zusätzlich erfordern Projekte für die Integration von Solarstrom wie Netzausbau oder der Batteriespeicher höhere personelle Kapazitäten.

Das kostet alles viel Geld. Das EWN investiert auch noch in Infrastruktur, die nicht direkt der Stromversorgung dient. Weshalb?
Der Strommarkt ist sehr komplex geworden und die Marktpreise sind sehr volatil. Mit dem EU-Rahmenabkommen ist auch eine vollständige Marktöffnung zu erwarten. Dies stellt das bisherige Geschäftsmodell des EWN infrage. Mit neuen Geschäftsfeldern wie Wärmeversorgung oder  Telekommunikation reagieren wir proaktiv darauf und sichern damit die Rentabilität des EWN zugunsten des Kantons Nidwalden.

Wie ist es unternehmerisch und personell möglich, gleichzeitig so grosse Investitionen in Projekte wie den Bau von zwei Seewasser-Wärmeverbunden, einen neuen Hauptsitz, eine Grossbatterie sowie den Ausbau des Glasfasernetzes im ganzen Kanton zu stemmen?
Diese grossen Projekte sind Investitionen in die Zukunft des EWN und des Kantons. Sie werden rentabel sein und  reduzieren das Risiko des Strommarktes. Dabei hat das EWN einen grossen strategischen Vorteil. Es kann all diese Projekte aus eigenen Mitteln finanzieren. Personell ist es eine Herausforderung, für die neuen Themen geeignete Fachkräfte zu finden. Wir haben uns schon seit Längerem darauf vorbereitet und sind in der glücklichen Lage, sehr gute Fachleute an Bord zu haben.

Das EWN entwickelt sich nicht nur durch die steigende Personalzahl, sondern es bietet den Mitarbeitenden Weiterbildungen an, und das Führungsteam erhält gerade aktiv eine Ausbildung. Weshalb ist das nötig?
Uns ist es wichtig, dass wir unseren Mitarbeitenden das nötige Rüstzeug mitgeben, um im zunehmend  komplexen Arbeitsumfeld gute Leistungen erbringen zu können. Dazu gehört die Ausbildung der Lernenden – übrigens eine Herzensangelegenheit von mir – wie auch die Ausbildung der Führungspersonen. Gut ausgebildete und motivierte Führungskräfte haben immer einen Multiplikationseffekt auf das gesamte Team.

Das EWN plant aufgrund des grossen Wachstums einen neuen Hauptsitz im Gewerbegebiet Faden Buochs.
Welche Vorteile bietet dieser Standort?
Wir haben diverse Varianten geprüft, wobei sich jene im Gewerbegebiet Faden als die beste herausstellte. Wir
erhalten ein Baurecht für 50 Jahre mit der Möglichkeit auf Verlängerung, haben genug Platz und dürfen in die Höhe bauen. Gleichzeitig können wir unsere Abläufe optimieren und ermöglichen weitere gewerbliche Nutzung für Dritte. Auch die Erreichbarkeit mit dem ÖV ist sehr gut.

Welche Optimierungen können Sie am neuen Standort realisieren?
Wir können die Betriebsabläufe in der Logistik für das teilweise schwere Material massiv verbessern. Die Betriebssicherheit wird ebenfalls optimiert, sei dies betreffend Hochwasser, Brandschutz, Zugänglichkeit oder Cybersicherheit. Wir bauen ein modernes, energieoptimiertes Gebäude auf möglichst wenig Land, was unseren eigenen ökologischen Fussabdruck verbessert.

Wie beurteilen Sie das finanzielle Ergebnis im Berichtsjahr?
Wir sind sehr zufrieden. Wir konnten einen sehr erfreulichen Gesamtumsatz erwirtschaften. Dies trotz geringerer Stromproduktion der Wasserkraft und einem langen Ausfall des KKWs Gösgen. Durch den erhöhten Bedarf an Strom am Markt stiegen natürlich die Strombeschaffungskosten. Trotzdem liegt das Betriebsergebnis über dem Vorjahr und auf einem sehr guten Wert. Dies deshalb, weil wir nach wie vor sehr kostenbewusst arbeiten. Dank einem sehr guten Finanzergebnis können wir einen Jahresgewinn über dem Vorjahr ausweisen.

Wenn Sie auf das letzte Jahr zurückblicken, was bleibt Ihnen besonders in Erinnerung?
Das vergangene Jahr war das Jahr, in dem wir endlich grosse und lange vorbereitete Projekte starten konnten. Dazu gehören der Wärmeverbund in Buochs und der FTTH-Rollout im ganzen Kanton. Zudem haben wir die Baubewilligung für einen grossen Batteriespeicher erhalten und das Vorprojekt für den Neubau des Hauptsitzes abgeschlossen. Weiter kommen mir die vielen neuen Mitarbeitenden in den Sinn, die wir bei uns begrüssen durften – eine klare Verstärkung. Erstmals haben wir die Mitglieder des Landrats zu einer umfassenden Informationsveranstaltung eingeladen – gerade jetzt, wo sich in der Energiepolitik vieles ändert, finden wir das sehr wichtig.

Sie sind schon über sieben Jahre Direktor des EWN. Welchen Herausforderungen begegnen Sie aktuell oder
künftig trotzdem noch?
Diese sieben Jahre vergingen wie im Flug, langweilig war es nie. Im Gegenteil, ich sage immer wieder, dass es sich um eine der spannendsten und wichtigsten Branchen handelt. In der Zukunft erst recht. Und deshalb erfahren wir auch grosse Beachtung von der Öffentlichkeit und der Politik. Das ist gut so, birgt aber auch Gefahren. Aktuell ist der gesetzliche und regulatorische Wandel zu gross und vor allem zu schnell. Bestehende und gut funktionierende Systeme werden durch neue, unerprobte ersetzt.

Kommen wir zum Ausblick. Welche Projekte oder Themen stehen 2026 auf Ihrer Agenda?
Die schnellen Veränderungen in der Energiewirtschaft fordern uns auch in diesem Jahr stark heraus. Wir müssen als Folge von neuen Gesetzen die Stromprodukte anpassen, Effizienzvorgaben einführen und die zunehmende Einspeisung von Solarstrom ins Netz stabilisieren. Natürlich gehen die grossen Investitionsprojekte weiter. Im Sommer wollen wir das Baugesuch für den Neubau des Hauptsitzes eingeben und mit dem Bau des Batteriespeichers beginnen. Auch der Spatenstich für den neuen Wärmeverbund in Hergiswil steht auf dem Programm. Darüber hinaus werden wir die Unternehmensstrategie überarbeiten und die neuen möglichen Voraussetzungen aus einem Stromabkommen mit der EU berücksichtigen.

Herzlichen Dank, Remo Infanger für das Gespräch. Weiterhin gutes Gelingen und viel Erfolg mit dem EWN.

 

Haben Sie Fragen zum EWN?
Nehmen Sie mit uns Kontakt auf.

Remo Infanger
Direktor