Im Winter ist der Strombedarf besonders hoch. Gleichzeitig produzieren Photovoltaikanlagen im Mittelland deutlich weniger Energie als im Sommer. Mit der zunehmenden Elektrifizierung von Wärme und Mobilität steigt zudem der Bedarf an zuverlässig verfügbarem, erneuerbarem Strom. Mehr Strom aus einheimischer Produktion trägt dazu bei, die Abhängigkeit der Schweiz von Stromimporten zu verringern und die inländische Versorgungssicherheit zu stärken. Alpine Solaranlagen leisten dazu einen wichtigen Beitrag: Dank intensiver Sonneneinstrahlung, weniger Nebel und der Reflexion durch den Schnee produzieren sie einen grossen Teil ihres Stroms im Winter. Beim Solarkraftwerk Samedan entfallen knapp 50 Prozent der jährlichen Stromproduktion auf das Winterhalbjahr. Bei Photovoltaikanlagen im Unterland sind es im Vergleich dazu nur rund 20 bis 30 Prozent. Insgesamt wird die Anlage mit einer Leistung von 15.6 MWp jährlich rund 19 GWh erneuerbaren Strom produzieren – dies entspricht ungefähr dem jährlichen Stromverbrauch der Gemeinde Samedan mit 3800 Einwohnern und grossem Gewerbegebiet. Aufgrund der idealen Verhältnisse in Samedan, der hohen Winterstromproduktion und der Förderung des Bundes hat der Verwaltungsrat der Energia Solara Engiadinaisa SA (ESE) die Investition von rund 40 Mio. CHF in das Solarkraftwerk Samedan beschlossen.
Standort mit entscheidenden Vorteilen
Das alpine Solarkraftwerk Samedan befindet sich direkt neben dem Flughafen und im gut erschlossenen Talboden. Mit der hohen Sonneneinstrahlung, der einfachen Zugänglichkeit, dem nur knapp 300 Meter entfernten Netzanschluss und der Nähe zur Besiedlung sowie vorhandener Infrastruktur bietet der Standort entscheidende technische und wirtschaftliche Vorteile. Gleichzeitig bleiben die landwirtschaftliche Nutzung sowie die bestehenden Wanderwege und Langlaufloipen erhalten. «Dank der ausgezeichneten Lage direkt neben dem Flughafen können die Baukosten verhältnismässig tief gehalten werden», ist Martin Merz, Verwaltungsratspräsident der ESE SA, überzeugt. «Die Beteiligung lokaler Unternehmen am Bau und die Nutzung eines Teils des produzierten Stroms in Samedan sorgen für Wertschöpfung in der Region. Die kurzen Wege zum Netz und zu den Verbraucherinnen und Verbrauchern tragen wesentlich zur Wirtschaftlichkeit der Anlage bei.»
Baustart im Frühling 2027
Die beiden Projektinitianten TNC Consulting AG und Energia Samedan sowie die Stromproduzentin Alpiq und die Energieversorgerin IWB als Partnerinnen haben am 15. Dezember 2025 die Energia Solara Engiadinaisa SA gegründet. Im ersten Halbjahr 2026 ist der Energieversorger EWN als Partner eingestiegen. Das Projekt vereint damit regionale und nationale Partner aus der Schweizer Stromwirtschaft. Die Zusammenarbeit verbindet lokale Verankerung mit technischem und energiewirtschaftlichem Know-how und ermöglicht die Umsetzung eines Projekts mit Bedeutung über die Region hinaus. Die ESE SA mit Sitz in Samedan ist die Bau- und Betriebsgesellschaft des Solarkraftwerks. Das Solarkraftwerk hat im Dezember 2025 alle notwendigen Bewilligungen erhalten. Nach dem nun erfolgten Bauentscheid werden die Aufträge an die Unternehmen, welche mittels einer öffentlichen Ausschreibung gesucht wurden, vergeben. Damit können sich die Unternehmen für den Baustart mit den Hauptarbeiten im Frühling 2027 vorbereiten. Die erste Etappe soll Ende 2027 am Netz sein, die zweite Etappe im Q4 2028.


